Gefühle - unsere ständigen Begleiter und Ratgeber

11. Juni 2009 | Von Siegfried Ferlin | Kategorie: Erfahrungen mit Klienten

Kürzlich verbrachte ich einen interessanten Abend mit einer Bekannten. Sie erzählte mir ein wenig von ihrer derzeitigen Lebenssituation und, dass sie sich vor einem Scheideweg befände. Noch in der nächsten Woche müsse sie sich entscheiden, ob sie sich beruflich verändern soll oder nicht.

Ich fragte sie, welche Vorteile eine Veränderung mit sich brächte, woraufhin sie mir die Vorteile, wie aus der Pistole geschossen, aufzählte.

Eine saftige Gehaltsaufbesserung, ein eigenes Büro, mehr kreative Möglichkeiten, Entscheidungsfreiheit in ihrem Verantwortungsbereich, ein Dienstauto, usw., usw…

Scheinbar nur Vorteile. Und doch tat sie sich mit der Entscheidung schwer. Was war der Grund?

Auf diesen Umstand angesprochen gestand sie mir, dass sie ein komisches Gefühl dabei hatte. Ein Gefühl, dass irgend etwas an diesem Jobangebot faul sei. Sie konnte es nicht erklären, aber das Gefühl war da.

Ich erklärte ihr daraufhin, dass sie selbst die Urheberin (blödes Wort, ich weiß. Mir fällt kein besseres ein.) ihrer Gefühle ist und sie dem Gefühl auf den Grund gehen sollte. Gefühle sind eine Aufforderung zum Handeln. Gefühle zeigen uns, dass wir auf äußere odere innere Umstände reagieren sollten. So wie Schmerz ein Signal des Körpers zur Veränderung ist, so sind Gefühle ein Signal unseres Geistes. Ignorieren wir Schmerz, so wird sich dieser bis zur Unerträglichkeit steigern, bis wir ihn ernst nehmen und darauf reagieren.

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Genau so verhält es sich mit unseren Gefühlen.

Haben wir ein gutes Gefühl, dann wäre es eine gute Idee, herauszufinden, was uns dieses gute Gefühl bereitet, um in Zukunft mehr davon zu bekommen. Haben wir ein schlechtes Gefühl, sollten wir genauso herausfinden, was die Ursache ist, um diese in Zukunft zu meiden.

Da sich meine Bekannte außer Stande sah, es in der kurzen Zeit selbst zu schaffen, bat sie mich um Unterstützung, die ich ihr gerne gab.

Wir trafen uns tags darauf und ich begann ihr ein paar Fragen zu stellen, um eine Lösung für ihr Problem zu finden.

Was ist gut an diesem Gefühl? Was möchte es dir sagen? Wovor möchte es dich warnen? Wovor beschützen? Wenn es sprechen könnte, was würde es dir raten?

Mit diesen Fragen gelang es mir aufzuzeigen, dass ihr schlechtes Gefühl nicht ihr Feind, sondern ihr engster Vertrauter, ihr bester Freund ist. Ihr verlässlichster Ratgeber.

Es stellte sich heraus, dass sie sich der Aufgabe, so sehr sie sich diese auch wünschte, nicht gewachsen fühlte. Auf die Frage, was sie braucht, um sich der Aufgabe gewachsen zu fühlen, erklärte sie, dass es ihr an Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen mangelt.

Um die Geschichte etwas abzukürzen, in den darauffolgenden Tagen trafen wir uns noch dreimal. Wir arbeiteten an ihrem Selbstvertrauen, was einfach war, da sie die notwendigen Ressourcen (Fähigkeiten, Eigenschaften, Kenntnisse) durchaus zur Verfügung hatte, sich dieser nur nicht bewusst war. Sie nahm den Posten an und ist heute sehr froh darüber. Ihr Durchsetzungsvermögen nahm mit zunehmendem Selbstvertrauen ständig zu und da sie sehr fair ist, ist sie bei den Mitarbeitern sehr beliebt.

Fazit: Unsere Gefühle sind eine Aufforderung zum Handeln. Erkennen Sie, dass die Gefühle, die Sie im Augenblick verspüren, ein Geschenk sind. Akzeptieren Sie Ihre Gefühle als das, was sie sind: Ihr engster Vertrauter, Freund und Ratgeber.

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